Vielleicht hat ja jeder einen Doppelgänger.
Das fasziniert uns Menschen und ist in vielen literarischen Texten verankert. Am bekanntesten wohl ‚der Doppelgänger‘ von Dostojevskij.
Jürg Kesselring zählt sie alle auf in Das eigene Leben – jemand sein dürfen, statt etwas sein müssen, Mettner&Jung (Hrsg.) Er schreibt dort einen Text für Daniel Hell und offenbar gleichen sich Hell und Kesselring und werden oft verwechselt, was etwas Humorvolles hat: Der Eine kümmert sich um das Gehirn, der Andere um die Seele – hat auch was Doppelgängerisches.
Ich habe vor fast 30 Jahren in einem Hotel in London meine Doppelgängerin getroffen. Der Rezeptionist gab mir den falschen Zimmerschlüssel, ich korrigierte ihn – da kam eine Frau zur Türe hinein, die mir wirklich sehr ähnlich sah. Für beide von uns ein spezieller Moment.
Was fasziniert uns wohl daran, dass es noch einen zweiten Menschen gibt, einen Zwilling, der uns ähnlich ist? Fühlen wir uns weniger allein auf der Welt?
27.10.2024