21. April
#112

no roots – no fruits (?)

Passt zu den Forschungsresultaten, die kürzlich veröffentlicht wurden: Mutter unbekannt

Andrea Abraham hat mit Kolleginnen Adoptionen aus Indien in die Kantone Zürich und Thurgau im Zeitraum 1973-2022 untersucht. Es war Kinderhandel im grossen Stil, insbesondere durch die shelters von Mutter Theresa.

Die Spuren der Vergangenheit, der elterlichen Wurzeln, wurden bewusst verwischt, so dass die Adoptierten grosse Mühe haben, ihre Eltern, ihre Familien zu finden. Der Verein back to the roots engagiert sich stark, um Betroffene zu unterstützen – es ist eine Betroffenen-Initiative.

Ich würde nicht so weit gehen, dass keine Früchte entstehen (no fruits). Die Betroffenen schildern durchaus ein ‚gutes Leben‘ in der Schweiz. Jedoch seien sie jeden Tag mit der Adoption belastet, sei es schon nur, das Geburtsdatum irgendwo angeben zu müssen – weil sie es nicht wirklich wissen.

«Das Gedächtnis ist das Bindemittel, welches unser Leben zusammenhält. Das Gedächtnis verleiht unserem Leben Kontinuität. Das Gedächtnis liefert uns ein zusammenhängendes Bild der Vergangenheit, ohne das Gedächtnis würde unser Leben in Einzelteile zerfallen.»   

Eric Kandel

Das erleben wohl die Adoptierten, das Zerfallen in Einzelteile, es fehlt das zusammenhängende Bild.

Siehe Nr. 133.

18.10.2024