28. März
#88

Rasant wachsende Beziehungsform: ‚situationship‘. Macht das glücklich? Ohne Vergangenheit, ohne Zukunft, genährt von der Gegenwart, hat kein Narrativ und ist deshalb oft nicht öffentlich.

Ich finde: nein

Eva Illouz, die israelische Soziologin, hat sich mit dem Thema Tinder, ‚situationship‘, etc. auseinandergesetzt. Ich habe viel von ihr gelernt, Tinder und der Mechanismus dahinter, war mir kein Begriff.

Die ‚situationships‘, die sie beschrieb, endeten oft sehr krass, teils mit ghosting nach einigen Jahren ‘Beziehung’.

Z.B. dass sie mit ihm ein Nachtessen vorbereitete, beide gemeinsam nach draussen für einen Apéro gehen, er ihr dann sagt, sie könne nicht mehr mit ihm zurück zum Essen kommen (das sie mit ihm zubereitet hat!!!), es komme ein anderes ‚Date‘. Krass!

In diesen Beziehungen geht’s oft darum, sich nirgends zu verpflichten, da immer noch eine bessere Option kommen könnte – der Strom an neuen Partner:innen auf Tinder sei ja endlos, so Illouz.

Mir kam es auch vor wie das Überbrücken von Leere, Einsamkeitsgefühlen durch eine situationship, Gelegenheitsbeziehung, die von vornerein – im besten Fall aus Sicht von beiden – befristet und wurzellos ist.

Siehe auch Nr. 123.

15.9.2024