25. November
#330

Mit dem Sprechen entwickeln wir die Fähigkeit zum Ordnen der sichtbaren Welt.

Lotta Blokker, Ernst Gombrich

Blokker hat mich mit ihren Werken in einer Kirche in Münster, 2017, sehr beeindruckt. Ihre Figuren wirken lebendig, echt, authentisch. Und so beseelt!

«Man kann etwas erst erkennen und wiedergeben, wenn man es benennen kann.»

Blokker in Bezug auf Ernst Gombrich.

Sie eignet sich vorübergehend ein anderes Leben an, schlüpft in das Gegenüber, um die Skulptur zu erschaffen. Das ging mir damals mit Kazuo Ohno ähnlich (Siehe Nr. 114, 220), mit den Filmen und meinen Zeichnungen bin ich in ihn hineingeschlüpft!

«Die Bildhauerin Lotta Blokker gibt den Menschen wieder, wie er sich ihr zeigt.»

Lotta Blokker, The hour of the wolf

Sie will keine Perfektion, da Perfektion leblos ist. Sie mag echte Menschen, die durch und durch Mensch sind und die sich treu bleiben. Die künstlerische Betätigung hat für Blokker etwas Heilendes. Sie wird nervös, wenn sie längere Zeit nichts macht.

«Irgendwie scheint meine Seele in der Bildhauerei Ruhe zu finden. Sobald ich wieder arbeite, bin ich geheilt und fühle mich nicht mehr schlecht.»

Wenn sie sich in ihr Atelier zurückzieht und ihr Modell beobachtet, folgen ihre Hände wie von selbst ihren Augen. Mit jedem Stück Ton, das sie platziert, steigert sich ihre Konzentration. Die Welt um sie herum entgleitet ihr, die Zeit hört auf zu existieren.

«Ich gehe vollständig in meiner Figur auf. Als ob ich mich in eine andere Dimension begebe. Ich befinde mich in einer Blase. Mein Ego ist völlig weg. Es geht nicht mehr um mich, um den Menschen Lotta. Ich bin abwesend, stehe sozusagen neben mir. Erklären kann ich es nicht. Aber ich glaube, ich brauche das, um meine Werke hinzukriegen.»

21.12.2024