Ein Grossteil des Lebens besteht aus Warten. Zum einen sind es die anderen, die warten. Zum anderen von einem selbst. - Ist Warten Zeitverschwendung?
Karl-Heinz A. Geisseler befasste sich ein Leben lang mit Zeit, nannte sich Zeitberater und leitete das gleichnamige Institut. Seine Buchtitel sind einprägsam:
- Alles. Gleichzeitig. Und zwar sofort. Unsere Suche nach dem pausenlosen Glück.
- Lob der Pause. Warum unproduktive Zeiten ein Gewinn sind.
- Enthetzt euch: Weniger Tempo – mehr Zeit.
- Alles hat seine Zeit, nur ich hab keine.
Für ihn war klar: Warten ist keine Zeitverschwendung:
«Ich langweile mich nie beim Warten.»
Warten ist für ihn produktiv, eine produktive und kreative Passivität. Er bedauert, dass uns das öffentliche Warten untersagt worden ist, viele Menschen vertelefonieren heute das Warten. Siehe Nr. 1, 357.
Die Vorstellung, dass man Zeit stehlen kann, gibt es erst seit dem 19. Jahrhundert, seit Beginn des Kapitalismus. Vorher war das Warten Teil des Lebens.
«Menschen, die warten können, sind menschlicher.»
«Manchmal entsteht etwas aus Langeweile.»
Markus Raetz
«Denn das Unverfügbare ist nicht nur unumgänglich, sondern Passivität ist notwendig für ein Tun, das sich nicht in der Verwirklichung bereits vorgezeichneter Möglichkeiten erschöpft und das daher einem Unmöglichen verschrieben ist, das sich nur ereignen kann.»
Kathrin Busch, Theorien der Passivität
10.12.2024