17. Juni
#169

Tagebücher sind Lektionen in Seelenkunde. Sie zeigen die inoffizielle Version unseres Selbst. Das Tagebuch ist der Ort, an dem man die vergehende Zeit bannt und das festhält, was in Wirklichkeit nicht festzuhalten ist.

Kommt vielleicht darauf an, ob man es wirklich nur für sich macht. Oder doch im Hinterkopf hat, dass es später die Welt lesen kann, wie vielleicht Amiel, der Tagebuchschreiber in Nr. 111.

Für mich ist es nicht nur ein Zeitbannen, sondern auch ein Zeitverlängern und ein Auswählen von Erlebtem, das man in irgendeiner Form erinnern möchte – nicht verschwinden lassen möchte. Aber meist ist es für mich wie in Nr. 111 ein inneres Ordnen und zur Ruhe kommen und ja, es verbessert meine Lebensqualität erheblich.

«Tagebuch schreiben ist der Versuch, dem eigenen Leben, parallel zu den Tagen, die vergehen, ein Gerüst zu geben, der Versuch, das eigene Leben bewusst zu leben, eine Form von Selbstermächtigung.» Beate Rössler, Autonomie, Podcast

«Sich in die eigenen Worte hineinschreiben.» Gabriele von Arnim

«Ich entdecke immer wieder, dass das Tagebuch eine Anstrengung gegen das Dahinschwinden ist, gegen das Verlieren, gegen das Sterben, gegen die Entwurzelungen, gegen den Verfall und gegen die Unwirklichkeit. Ich habe das Gefühl, dass ich etwas rette, wenn ich es in das Tagebuch aufnehme. Dort ist es lebendig. Wenn jemand ging, fühlte ich, dass ich seine Gegenwart in den Seiten erhielt.» Anaïs Nin

8.11.2024

Geöffnetes Tagebuch - mit meiner Schrift!

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