22. Februar
#53

Schuldner und Gläubiger sind miteinander verbunden, was das Geschenke-machen und das Schulden-machen zu zwei Seiten derselben Medaille macht.

Olaf Geramanis hat einmal an einer Changetagung der Fachhochschule Nordwestschweiz von einem ‚sozialen Konto‘ gesprochen. Wir hätten das Bedürfnis, dass dies mehr oder weniger ausgeglichen sei.

Also wenn du mir zehnmal etwas schenkst und ich dir nur einmal, fühle ich mich als Schenkende unwohl. Bin ich im Minus, fühle ich mich unwohl, bin ich im Plus bekomme ich plötzlich Erwartungen an den Ausgleich, oft unausgesprochen und mir selbst gar nicht bewusst.

Nur zu empfangen und nur zu geben führt beides in die Sackgasse und gibt eine ungesunde Verstrickung.

Das mit der Dankbarkeit, wenn mir jemand etwas schenkt, hat mich schon immer beschäftigt und Danke sagen lag mir oft nicht auf der Zunge.

Jetzt weiss ich, weshalb: Ich habe die unbewusste Erwartung an den Ausgleich gespürt. Oder vielleicht ist es keine Erwartung, sondern eben das menschliche Bedürfnis nach AUSGLEICH.

Restorative Justice – die Begegnung von Opfern und Tätern

Ein zieldienlicher Ausweg aus dem Konstrukt. Es ist eine Form von Konflikttransformation durch ein Wiedergutmachungsverfahren. Auch hier ist das Verfahren zentral und entscheidend für eine gute Lösung (siehe Nr. 33 und 281, Kulturen des Entscheidens). Und eigentlich ist es uralt. Seit Jahrtausenden gibt es in Rechtssystemen Bestimmungen über Wiedergutmachung, zum Teil auch über Verständigung und Heilung sozialer Beziehungen.

Auch hier gilt:

Beschädigte und Beschuldigte gleichwertig zu Beteiligten machen, das ist Teil des Wiedergutmachungsverfahrens.

28.8.2024