7. Oktober
#281

Die Schlange hat die erste Entscheidungsfrage gestellt.

Tomáš Sedláček

Die Schlangenszene: Die Urszene des Entscheidens.

«Durch (Neu)gier kommt das Böse in die Welt respektive wird angenehme Arbeit zu unangenehmer Arbeit.»

Tomáš Sedláček

Das Vollkommene macht uns nicht richtig zufrieden, das Böse, das Begehren entsteht durch unsere Unersättlichkeit. Für Sedláček ist unsere ständige Unzufriedenheit der Motor des Fortschritts.

«Wir finden an der Jagd nach der Beute unser Glück und nicht an der Beute selbst.»

Das Christentum eröffnete mit der Erzählung von Adam, Eva und dem Paradies ein Diesseits und ein Jenseits, verlagerte Gerechtigkeit ins Jenseits (das war vorher anders). Die ‘geschenkte Erlösung’ gab es im Diesseits, dies entgegen unserem Fairness-Empfinden. Die Rechenschaftsablegung von Gut und Böse wurde ins Jenseits verlagert. Eine fatale Erzählung, die viel Leid in die Welt gebracht hat und noch bringt.

«Entscheiden ist ein kontingenter Akt.»

Kulturen des Entscheidens, Sonderforschungsbereich 1150, Universität Münster, Thomas Scheffer.

Die Schlange stellte die erste Entscheidungsfrage, Adam und Eva haben den ersten Normverstoss gemacht. Gleichbedeutend mit: die erste Freiheit.

Entscheiden ist gefährlich, ist eine Zumutung. Nicht-Entscheiden ist paradiesisch. Denn: Entscheiden wirkt in sozialer Hinsicht trennend, beendet eine Situation des diffusen Konsenses und macht den Dissens sichtbar. Das Nicht-Gewählte wird erst danach sichtbar, spürbar. Jede Entscheidung muss sich gegenüber der nicht-gewählten Option legitimieren.

7.12.2024