8. August
#221

Doppelsprachigkeit ist nicht dasselbe wie Zweisprachigkeit.

G.-A. Goldschmidt, Vom Nach-Exil

Das Exil: eine Begebenheit, nach der nichts mehr so ist wie vorher.

Das Exil teilt das Leben in zwei, von nun an unvereinbare Hälften, das Vorher und das Nachher. Alles, was man verlässt, muss man auf immer fixieren und sich dem Neuen stellen. Ein Exilant, eine Exilantin zieht immer Heimat hinter sich her.

So ist es auch mit der Sprache: Es ist nicht ein Aufwachsen in zwei Sprachen, bilingual, sondern es ist die Doppelsprachigkeit:

Die Muttersprache auf immer verbunden mit dem vorher, der Heimat, die Sprache des Exillandes als das Nachher, das Fremde, das sich anzueignen gilt, um eher ‚anzukommen‘.

«Wenn man von seinem eigenen Land fortgegangen ist, dann kommt man in keinem neuen Land mehr an.»                   

E.S. Özdamar, ein von Schatten begrenzter Raum

23.11.2024